Fotobuch: Die Burg Raabs im Waldviertel als Kulisse für Frauenporträts – Samt eigenwilligen Geschichten
Die Besprechung in der „Tageszeitung Dolomiten“ erschien am Mo., 12. Oktober 2026
Als Einführung lese man den einen Text auf der Rückseite des Buchdeckels. Man geht hinein in die Räume der Burg Raabs, ist drinnen, sieht das Darin, das mit Denkanstößen und Symbolen aufwartet. Und nimmt es mit nach draußen. Schön, wie sich das Leben innen und draußen inspiriert, ja ergänzt. Wirklich und symbolisch als Erweiterung des Geistes, als Bilder, die Grenzen überschreiten, vor allem jene im Kopf.
Der Raum also als Zuordnung zum je individuellen Menschen. Schlagworte dazu wären Subjektivität, Toleranz, Mann und Frau. Dazu Spielfreude, Bewegung und Starre, Kindlichkeit. Der Zweck der Performance ist die Handhabung der Umgebung und deren Einfluss. Das Buch entstand in Zusammenarbeit von, Astrid Walenta, Maria Frodl und Thomas-Johanna Hauck.
Und so führen die Künste in Innen-Welten. Da spricht eine Frau ernsthaft mit der Plüschkatze, beide begegnen sich mit Aufmerksamkeit. Selbst eine Tapete, die die Luft der Vergangenheit atmet, passt als Hintergrund für Wahrnehmung und Gefühl. Da spitzt dann die Frau die Lippen, und wendet sich dem Papagei auf der Tapete zu. Sie hat sich grad selbst eine knallrote Feder ins Haar gesteckt, jetzt kriegt auch der Papagei eine. Der Plüschteddy wiederum reichert das Milieu mit Leichtigkeit an, der Knäuel aus rotem Faden ist Spielzeug und Motiv gleichermaßen, man kann sich damit umgarnen, oder sich darin verheddern. Und: in der Badewanne jubilieren, ist Befreiung pur. Auch die beiden Männerfiguren in Schwarz und Weiß haben ihren Part. Man identifiziert sie mit den „innen“, man ahnt, dass hier wiederum die nämlichen Frauen(-figuren) unterwegs sind: Die Luftballons sprechen für luftig spaßige Atmosphäre, und die Augenklappe, die wird grad gelüftet. Wir begegnen Künstler -innen, Denker -innen … Eröffnet das Drinnen uns die „Zunft“ der -innen? Welche hier sein dürfen wer sie sind?
Nichts Geschwätziges nervt hier, keine Arroganz, vielmehr ermuntert die je eigene Individualität zum Vertrauen, einem kraftvollen Vertrauen in die Zukunft. Obendrein gelingt es den Buchmacherinnen die feine Koketterie gekonnt mit ebenso feiner Ironie zu unterfüttern. Züchtig und doch leger präsentieren sich die Frauen in den schönen Zimmern auf Schloss Raabs. Die sind sauber herausgeputzt, das alte Mobiliar erneuert – der Stil der Einrichtung weist in Richtung Historismus Interieurs, Stühle, Schränke. Als ständiger Begleiter fungiert der Teddy, bis auf der letzten Seite.
In der „Gedankensplittergeschichte“ mit dem Titel „Ich warte ich warte ich warte…“ (S. 2–5) beschäftigt sich Thomas-Johanna Hauck mit dem Ich, seinem herbeigesehnten richtigen Ich, dem er hier auf der Burg Raabs begegnen wird – in Form der „Urkunde“, die ihm „sehr wichtig“ ist. Sie würde ihn aus dem „wilden Wirbel von Ja und Nein, vom Suchen da und nirgends“befreien. Er gehe nicht weg von hier, ohne zu wissen, „wer er ist“: Und wartet und wartet also auf „seine Urkunde“: Die Aufregung ist groß, die Nerven liegen blank: Er braucht nämlich diese Urkunde, um „weiter, weiter, weiter zu können“: Er will endlich sagen können, wer er ist: Thomas-Johanna Hauck schreibt auch unter dem Namen Thomas-Johannes Hauck.
Die Burg Raabs, die am Zusammenfluss der Mährischen und der Deutschen T[h]aya steht, wir einst eine Befestigungsanlage. 1183 gibt sie Albrecht I. von Österreich an seinen Marschall ab, später gehen Burg und Herrschaft an die Puchheimer über für knapp dreieinhalb Jahrhunderte. Schließlich erfährt die mittelalterliche Burg eine Erweiterung und wird zum Schloss. Raabs ist auch heute eine der bedeutendsten Burgen Österreichs.
Sie gehört dem Verleger Richard Pils und seiner Familie. Der Verlag „Bibliothek der Provinz“ ist ein mehrfach ausgezeichneter Verlag. Im August jeden Jahres findet dort das „Poetenfest“ statt, wo sich Poeten und Bücherwürmer treffen.
(Claudia Theiner, Rezension in den Dolomiten. Tagblatt der Südtiroler, [?]. Oktober 2026)
Neueste Kommentare