1000 und 1 Buch

Mutter Erde hat sich ziemlich verändert. In „Madame Fafü“ von Astrid Walenta und Julia Dürr schreibt sie sich jetzt fast französisch, trägt Hosen und eine lustige Kappe. Statt den Blumenkindern beim Nähen zu helfen, oder Käferjungen zu bemalen, sprüht sie sich immer wieder selbst mit „Insektenspray“ ein und wird ein Krabbeltierchen. Zum Beispiel eins, das Kinder heute oft kaum noch kennen – ein Grashüpfer oder gar ein Glühwürmchen. Sie „liebt Insekten“, diese seltenen Tiere, für die es noch keinen Zoo gibt. Ungehört ist anscheinend der Song „The Big Yellow Taxi“ von Joni Mitchell von 1970 verhallt: „They paved paradise, and put up a parking lot“. Julia Dürr hat sie ganz fein und liebevoll hingestrichelt, die Ohrenkneifer, die Motten und Laustierchen. Die Ameisen und Bäume, Blätter und Mohnblumen. Sehr modern, weil reduziert wie aktuelles Design, und doch auch sehr nah bei den jugendstiligen llustrationen von Sibylle von Olfers. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen den Modernen. Ineinander verwoben erscheinen nicht nur Gräser, Stiele, Blüten und Tierchen, auch das Leben und Denken der Künstlerinnen überschreitet entspannt mehr als hundert Jahre. Radikal mag dem heutigen Kind die Idee von „Madame Fafü“ erscheinen, einen Marienkäfer samt Gras und Läusen unter einer Glasglocke zu halten – aber der Kunst muss ja jedes Mittel recht sein. Und außerdem wird der Käfer ja durch Magie befreit. Befreit von strenger Logik, wie die Erzählung selbst, die „Achten fliegt“ und mehrmals wortwörtlich wiederkehrt. Wiederholung und Detailverliebtheit, zwei Geheimnisse gelungener Kinderliteratur – Walenta und Dürr sind ein „dream-team“. Ein schönes, etwas verschnörkeltes kleines Bilderbuch, das viel Raum für eigene Phantasie lässt. In der Ferne hört man leises Singen: „Hey farmer...

STUBE – Seitenweise Kinderliteratur

Seitenweise Kinderliteratur 2019 Madame Fafü hat nicht nur ein ganz besonderes Interesse an Insekten, sondern erzählt auch gerne Geschichten: Dreimal wird in diesem Bilderbuch jene Erzählung wiederholt, die Astrid Walenta einmal als erdachte Geschichte, einmal als Traum und einmal als literarisch festgehaltenes Werk präsentiert. Fiktionale Autorin und Figuren verschmelzen dabei zunehmend, wenn sich Madame Fafüs Alter Ego im Insektendasein erprobt. Wie die Erzählebenen werden auch die Bildelemente miteinander verschränkt: Gleich einem Bühnenbild stellt Julia Dürr ihre Figuren in einen gepatchworkten Raum aus detailreich collagierten und gezeichneten Elementen. Durch die feinsinnig arrangierte Text-Bild-Kombination wird ein lustvolles metafiktionales Spiel mit der Doppelsinnigkeit von Literatur kreiert, die ihre eigene Gemachtheit miteinbezieht....

kklick – Kulturvermittlung Ostschweiz

Madame Fafü Madame Fafü liebt Insekten, und sie liebt es, Geschichten zu erzählen. Gerne versucht sie sich wie ein Insekt zu bewegen: springen wie ein Grashüpfer, fliegen wie ein Schmetterling oder summen wie eine Biene. Wenn sie Geschichten erzählt, beginnen sie immer gleich: «Es war einmal eine Dame, die eine Insektensammlung und einen Insektenspray besass. Mit diesem Spray kann sie sich in ein Insekt verwandeln. Heute wollte sie ein Marienkäfer sein.» Gerade als Madame Fafü diese Geschichte aufschreiben wollte, flog ein Marienkäfer auf ihren Schreibtisch. Ist das Zufall? Die Geschichte ist eine Geschichte in der Geschichte. Sie wird von der Autorin anmutend und poetisch erzählt. Die zarten Zeichnungen mit Pastellfarben unterstreichen die Poesie der Geschichte gekonnt. Die Phantasie der Leser wird angeregt und das Bilderbuch bietet neue Interpretationen von Text und Bild. Ein wunderschönes Buch, das zum Vorlesen und gemeinsamen Betrachten einlädt und immer wieder angeschaut werden kann. Katrin Signer-Roth Hier gehts zur Online Version...

Badische Zeitung

Als Marienkäfer flog sie gern in Achterbahnen, “denn dann wußte sie nicht, wo Anfang und Ende waren und das gefiel ihr”. In einer Endlosschleife wird von Astrid Walenta auch die minimalistische Geschichte von “Madame Fafü” erzählt.

Kinder- und Jugendmedien Bern – Freiburg

Die fantasievolle, klug strukturierte Geschichte in der Geschichte irritiert plötzlich, lässt innehalten und wirft die Frage auf: Wie war das nun genau und wie kann das sein? Und sie verleitet zum Weiterspintisieren ad absurdum. Das Zusammenwirken von Text und Illustration ist hohe Schule und vergnüglich. Klare Formen, dezente Farben und eine Menge an Details laden zum genauen Hinsehen und Blättern ein. Das Buch ist vielfältig einsetzbar. Eveline Schindler Kinder- und Jugendmedien Bern -...

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM)

Madame Fafü ist fasziniert von Insekten. Und sie erzählt gern Geschichten. In ihren Geschichten gibt es ein Insektenspray, das den Menschen, der damit besprüht wird, in ein Insekt verwandelt. So kann die Dame in den Geschichten von Madame Fafü wunderliche Abenteuer als Insekt erleben und Madame Fafü schreibt die Geschichten auf. Doch eines Tages taucht plötzlich ein Marienkäfer auf, dessen Geschichte Madame Fafü sich gerade ausgedacht hat. Ist das der Held aus ihrer Geschichte? Madame Fafü sperrt den Kleinen ein und im Traum durchlebt sie sein Abenteuer. Als er am Morgen dann verschwunden ist, hat sie im Traum seine Geschichte erlebt, die sie nun aufschreibt. Astrid Walentas kleine Geschichte spricht von Faszination und Phantasie, sie lässt aber Vieles auf Ebene der Handlung offen und im Vagen. Unklar bleibt zum Schluss, ob Frau Fafü nur in ihrer Fantasie zum Insekt wird und ob der Käfer tatsächlich aus ihrer Geschichte kam. Hier spielen auch die Bilder eine wesentliche Rolle, die zur Verunklarung der Informationen beitragen. So wird Frau Fafür immer wieder als verkleidete Frau oder als frauenähnliches Insekt dargestellt und am Ende des Buches liest ein Marienkäfer in einem Buch, das durchaus das Geschichtenbuch von Frau Fafü sein könnte. Zudem erzeugen der skizzenhaft-grafische Stil der Illustrationen und der Collagencharakter, der gerade den Bildraum immer wieder auflöst und eher Elemente kombiniert als Szenen entwirft, einen fragmenthaften Charakter, der viele Leerstellen für eigene Deutungen und Imaginationen entwirft und freilässt. So fasziniert das aufwendig gemachte Bilderbuch seiner offenen Struktur wegen, die zum Mitdenken und Weiterfantasieren einlädt. Sehr zu empfehlen! Michael Ritter Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW...